Beiträge von subversiv

Protokoll 14.7.09

Tagesordnung:
I Bilanz der Woche
-> erledigte Aufgaben
-> Rekapitulation
-> Berichtenswertes
II Jaeggi-Treffen Vorbereitung
III Plan besprechen + Ergänzungen

I
- Plan muss nach Wissensstand ausdifferenziert und ergänzt werden
- Gelder: S. und M.H. erkundigen sich nach Förderung durch einen ‚Demokratie-Fond‘
- W.: telefoniert am Mittwoch mit Dr. Berlinius (?) von der RLS und gibt nächste Woche die Ergebnisse bekannt
- RefRat-Finanzierung läuft: Referent_innen-Honorar <50€ sowie Verpflegung etc.
- T.: Reader drucken in Uni-Druckerei läuft über ein_e Dozent_in

Diskussion: Angesichts der Zeitknappheit doch lieber Verschieben auf’s Sommersemester?

- Wenn ja, dann Wintersemester als Bildungsphase nutzen
- insgesamt Zustimmung unter dieser Voraussetzung
- Vorschlag: im Wintersemester ‚Dummy‘– bzw. Einzelveranstaltungen organisieren
- Organisation eines wöchentlich stattfindenen Lesekreises, in dem Primär- und Sekundärliteratur gelesen wird
- Beschluss: Verschieben -> Bitte um Kommentare von Marcus! (und Linus?)

II
- Was wollen wir von Frau Jaeggi, welche Unterstützung können wir anfragen?
- Überblickswissen und Stand der Diskussion regelmäßig rückfragen, inhaltlicher Backup
- Kontaktempfehlungen, für Referent_innen etc.
- nächste Woche erstmal unseren Wissensstand vorstellen und rückfragen
- Frage nach dem zu findenden ‚Roten Faden‘
- Welche Ideen hat sie zu der Frage nach Aktualität und Praxis?
- Einzelpunkte vorstellen: Shoah/Auschwitz (W.); Psychoanalyse (S.)
- Rationalitäts- und Irrationalitätsdiskurs besprechen (siehe Titel)
- Marcus leitet das ganze ein bißchen an (Anm.d.Verf.: Was meinst du Marcus?)
- A. hat Veranstaltungsplan bis nächste Woche fertig

III
- Beginnen der Lektürephase: Hat/Kennt jemand einen guten Einführungstextzur kritschen Theorie?
- W. hat einen von Axel Honneth
- Dazu suchen nach Einführungstexte in die Themenkomplexe
- S. richtet Doodle für mögliche Treffen in der Ferienphase ein…
- Allgemeine Empfehlung: Scannen und hochladen interessanter Texte in den Blogsport, wenn nicht möglich kopieren und mitbringen

Veranstaltungsplan

Moin! Hier der zweite Versuch, unsere Ergebnisse soweit sie mir geläufig sind integriert. Ich schlage vor, dass wir per Kommentaren diskutieren und ergänzen, das müsste am einfachsten sein …

1. Sitzung:12. 4. – 18. 4. 2010

    Allgemeine Einführung

I Hintergrund, Methodik, Anspruch, Zielsetzung und Gegenstand der Veranstaltung
II Kurze Einführung in die Geschiche der Kritischen Theorie
III Positivismusstreit

Literatur: z.B. Roger Behrens: Kritische Theorie. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002; Hans-Joachim Dahms: Positivismusstreit. Die Auseinandersetzungen der Frankfurter Schule mit dem logischen Positivismus, dem amerikanischen Pragmatismus und dem Kritíschen Rationalismus. Frankfurt am Main 1994;

2. Sitzung:19. 4. – 25. 4. 2010

    Podiumsdiskussion zu: „Zäsur Auschwitz: die nationalsozialistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Spiegel der Kritische Theorie – Konsequenzen für Erinnerung und Gesellschaftskritik heute“

mögliche Referent_innen: Enzo Traverso (Paris); Dan Diner (Jerusalem/Leipzig); Detlev Claussen (Göttingen); Marc-Pierre Möll (HU-Berlin);

Text: Heidemarie Uhl: Zivilsationsbruch und Gedaechtniskultur. Das 20. Jahrhundert in der Erinnerung des beginnenden 21. Jahrhunderts. Innsbruck 2003. S.1-5.

3. Sitzung:26. 4. – 2. 5. 2010

    Lektüresitzung zu: „Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Auklärung.“

Im Anschluss an eine Aufbereitung der Themen und Diskussion der vorwöchigen Veranstaltung soll in dieser Sitzung nachvollzogen werden, wie Adorno und Horkheimer die Entstehung einer barbarischen Gesellschaft und die Möglichkeit von Auschwitz als deren Fanal in der aufgeklärten Moderne anhand der dialektischen Methode erklärten. Anhand einer Analyse des Aufklärungsbegriffes in der ‚Dialektik‘ soll versucht werden ,das theoretische Fundament zu sezieren, auf das sich die Gesellschaftskritik der folgenden Werke beruft. Durch eine kurze Rekapitulation der Entwicklung vom Horkheimerschen Faschismus-Begriff der 20er Jahre, der stark marxistisch geprägt ist, hin zu den Überlegungen in der Dialektik und den Minima Moralia soll auf die Thematik der folgenden Sitzung hingewiesen werden.

Literatur: z.B. Jürgen Habermas: Die Verschlingung von Mythos und Aufklärung: Horkheimer und Adorno. In: Jürgen Habermas (Hrsg.): Der Philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, S. 130–157. (bitte ergänzen!)

4. Sitzung:3.5 – 9.5.2010

    Die philosophischen Grundlagen der kritischen Theorie und der Bezug zu Marx: Der Begriff der Entfremdung

mögl. Buchvorstellung/Referentin: Rahel Jaeggi: Entfremdung. Zur Aktualität eines sozialphilosophischen Problems. Frankfurt a. M. 2005.

Die vorbereitende Lektüre geht auf die philosophischen Referenzen der Kritischen Theorie, also vor allem ihr Positionierung im philosophischen Diskurs. In der Sitzung soll dann gemeinsam mit der Referentin auf das Verhhältnis zur marxistischen Tradition bzw. postmarxistischen Strömungen eingegangen werden, und zwar anhand des Begriffes ‚Entfremdung‘. Hier soll die Frage im Mittelpunkt stehen, ob und welche Überschneidungen zwischen der marxschen Kapitalismuskritik und der Kulturkritik der Frankfurter Schule bestehen und wie diese Anätze möglicherweise synthethisch gedacht wurden und weiterhin werden können.

[Anm.: hier das ganze paradigmatisch in einer Ringvorlesung vor 21 Jahren; dazu ein allgemeiner Hinweis auf das Berliner Institut für kritische Theorie sowie deren Zeitschrift „Das Argument“. Könnte in jeder Hinsicht nützlich sein.]

Literatur: z.B. Moishe Postone: Kritische Theorie im Kontext. Kritik und die Verlaufskurve des 20. Jahrhunderts. In: Das Argument 231. Berlin 1999. S. 489-496.

5. Sitzung:10.5. – 16.5.2010

    Die Frankfurter Tradition der Kulturkritik: die Gegenwart der verwalteten Welt

Die in der vorangegangen Sitzung angesprochene Kulturkritik der Frankfurter Schule soll in dieser Sitzung anhand diverser Texte und Autoren untersucht und nachvollzogen werden. Als Fortentwicklung der marxschen Kapitalismuskritik lenkt sie den Fokus auf die Lebenswirklichkeit in der modernen Kultur und stellt die Grundhypothese voran, dass die durch die Produktions- und Organisationsverhältnisse bedingte Verdinglichung den Menschen von sich selbst und seinen Mitmenschen entfremdet. Dies geschieht v.a. durch den Zwang zur Affirmation des Bestehenden mittels sozialer Praxen.

Literatur: z.B. Theodor W. Adorno: Kulturkritik und Gesellschaft. Frankfurt a.M. 2008; Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Frankfurt a.M. 2007;

6.Sitzung:17.5.-23.5.2010

    Kapitalistischer Normalvollzug und die große Verweigerung: Was bleibt von Marcuse?

mögl. Referent_innen: TOP Berlin; Roger Behrens

In dieser Sitzung soll über die Transformation der Kapitalismuskritik bei Herbert Marcuse diskutiert werden. Anhand einer Analyse seiner frühen Überlegungen und der Kritik am eindimensionalen Denken sollen seine Kernthesen herausgearbeitet werden und gefragt werden, inwiefern sie der angesprochenen Idee einer Synthese von Kapitalismus- und Kulturkritik gerecht werden (1. Vortrag). Im folgenden sollen die praktischen Konsequenzen erörtert werden, die sich aus Marcuses Analyse ergeben könnten, v.a. das bereits in den 60ern von ihm und den Studierenden entwickelte Konzept der „Großen Verweigerung“ (2. Vortrag).

Literatur: z.B. Hebert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Frankfurt a.M. 2008;

7.Sitzung:24.5. – 30.5.2010

    Unorthodoxes Denken: Walter Benjamins Philosophie und der Fetischcharakter der Kunst

mögl. Referent_innen: Sigrid Weigel (TU Berlin)

Wie kann Kulturkritik aussehen, wenn sie, über das Konzept der Verweigerung hinaus, praktisch werden soll? Die Gegenstände und die Methode der benjaminschen Philosophie sollen uns als Grundlage und Reibungsfläche dienen, um diese Frage zu diskutieren. Wie bei Adorno ist bei ihm die Beschäfigung mit der Kunst und dem kreativen Bemühen in der Moderne der Schlüssel zum Verständnis der Gesellschaft. Gleichzeitig sind seine Arbeiten selbst künstlerische Werke, unkonventionell und eigensinnig. Inwiefern ist Benjamins Technik damit selbst eine praktische Vorlage und dienen seine Schriften vielleicht als Inspirationsquelle für performative Infragestellung? Das soll uns beschäftigen.

8.Sitzung:31.5. – 6.6.2010

    Beispiele künstlerischer und performativer Annäherungen

Filmsichtung, Gedichte, Literatur – z.B. Alexander Kluges „Das Kapital – Nachrichten aus der ideologischen Antike“

9.Sitzung:7.6. – 13.6.2010

    Andere Erklärungsansätze zur Funktionsweise der modernen Kultur – Gegenüberstellungen

Die Überlegungen der Frankfurter Schule zur modernen Kultur zeigen Anknüfungspunkte in vielerlei Hinsicht auf. In dieser Sitzung soll versucht werden, durch eine Beschäftigung mit ‚anderen‘ klassischen wie zeitgenössischen Denker_innen, die nicht in der ‚Frankfurter Tradtion stehen oder standen, Ergänzungen und Korrekturen der bekannten Lesart zu finden und somit unsere Perspektive zu erweitern. Als Beispiele sind hier Arendt, Butler, Derrida oder Foucault zu nennen. In dieser Sitzung könnten vorher zusammengestellte Kleingruppen kurze Einführungen zu den TheoretikerInnen präsentieren, jeweils im Bezug auf einen Gedanken bzw. ein Werk (Derrida ‚Dekonstruktion‘, Foucault ‚Biomacht‘, …)

Literatur: z.B. Michel Foucault: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt a. M. 1977; Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt a.M. 2003. (auch hier bitte ergänzen)

10.Sitzung:14.6. – 20.6.2010

    Auswirkungen auf die Psyche: Die Rezeption der freudschen Ideen bei Fromm und Marcuse

Referent_innen:

Wie funktionieren soziale Prozesse wie Entfremdung oder Verdinglichung in der menschlichen Psyche? Sowohl Erich Fromm als auch Herbert Marcuse unternahmen Versuche, die marxsche und die eigene Perspektive unter Rückgriff auf Sigmung Freuds Gedanken zu vertiefen und zu erweitern. Die unterschiedlichen Resultate sollen in dieser Einheit verglichen werden. Auch hier wäre nach Ergänzungen zu fragen.

Text: John Rickert: Die Fromm-Marcuse-Debatte im Rueckblick. In: Jahrbuch der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft 2. Tuebingen 1991

Literatur: z.B. Erich Fromm: Haben oder Sein. Berlin 1998; Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1969

11.Sitzung:21.6. – 27.6.2010

    Jürgen Habermas und die kritische Theorie heute

[Hier noch keine Beschreibung]

12.Sitzung:28.6. – 4.7.2010

    Theorie der weißen Männer? Postkoloniale und feministische Ergänzungen

Im Zuge der neuen sozialen Bewegungen sind ganze Theorienstränge entstanden, die zu Zeiten der Frankfurter Schule nicht existierten bzw. erst im Entstehen begriffen waren. Dazu gehören u.a. die postkoloniale Theorie und ihre Kritik am Eurozentrismus westlicher Forschung wie die feministische Theorie, die bei Butler schon anklang und die verschiedenen Konzepte zur Überwindung gesellschaftlicher Ausgrenzung und Ungleichheit herbrachte- und bringt. Inwiefern stellen sie Ergänzungen dar?

13.Sitzung:5.7. – 11.7.2010

    Abschluss und Fazit

Protokoll 30.6.

Formales
- Finanzierung: W. schreibt die RLS an
- W. richtet neue E-Mail Adresse ein, da Name veraltet
- W. stellt das letzte Protokoll online ;)
- neuer Titel: Pure Vernunft darf niemals siegen? Zur Aktualität kritischer Theorie

Tagesthema: Psychonanalyse
- Wie aufbauen/aufziehen?
- Unterdrückung von Sexualität: ‚andere‘ Seite der modernen Kultur
- Vorschlag: ein Seminar zu Marcuses und Fromms Vorstellungen, Gegenposition
- D.: Ansatz bei Chantal Mouffe (Genießen im Kapitalismus) und Siegmund Freud (Triebanalyse);
dazu mglw.: Elias Canetti: Jacques Lacan, Slavoj Zizek
- S.: 4 Stömungen des Freudomarxismus; wie kommt es zum autoritären Charakter?
Vorschlag: Gegenüberstellung von Foucault und Fromm?
- Psychoanalyse kommt nach dem Block zu verwalteter Welt

Ergänzungen?

Nach dem Streik: Gedanken für Dienstag

Hey ihr Lieben. An einem Nachmittag zwischen zwei Phasen der besonderen Umstände habe ich einen kurzen Einblick in mein Leben der üblichen Umstände geworfen. Neben einigen Horrorszenarien beinhaltet dieses nach wie vor unser Projekt, welche Freude! In der letzten Woche haben wir uns ja einige Male lose untereinander unterhalten und ich möchte die Gedanken hier ein wenig bündeln, um eine kleine Tagesordnung für Dienstag zu haben.
Zunächst einmal: Am Freitag ist die Frist für eine PT-Bewerbung abgelaufen, die Zeit hat also für uns entschieden. Für eine Veranstaltungsreihe außerhalb der HU-Struktur haben wir nachwievor einige Ansprechpartner, wie die MIRA und das Autonome Seminar. Auf letzteres möchte ich nochmal verweisen, da wir uns, trotz aller Vorbehalte, bestimmt ein paar organisatorische und vielleicht auch inhaltliche Anstöße versprechen können. Es wäre denke ich günstig, mit einer vorhandenen Struktur in irgendeiner Form zu kooperieren. Zum einen wegen der Erleichterung, aber auch, um bei den Anträgen und Anschreiben souveräner dazustehen.
Womit wir auch schon bei den Referent_innen sind. Einige Namen wie Claussen, Diner und Demirovic geisterten ja schon herum. Mit ein bißchen Glück kann das sicher was werden, aber ich fände es ebenso interessant, sich auch nach jüngeren und weniger ‚gesetzten‘ Kandidaten umzuschauen. Besonders in Puncto Frankfurter Schule entstehen ja dauernd Arbeiten und Projekte. Vielleicht mal bei den IfS recherchieren oder sie kontaktieren?
W. und ich haben uns auch nochmal Gedanken zum allgemeinen Profil des Projekts gemacht und vermutet, dass es noch Klärungsbedarf gibt. Zum einen sollten wir die Begrifflichkeiten „Kritik“ und „Moderne“ nochmal beleuchten und hinterfragen. Zum anderen brauchen wir meiner Meinung nach eine genauere Vorstellung von der theoretischen Verortung, v.a. im Hinblick auf die Kritische Theorie und den Postmarxismus. Ich kann mir vostellen, dass zwischen den eingebrachten Ideen, Werken und Autoren gravierendere Unterschiede in Puncto Ansätzen und Methodik bestehen, als uns derzeit bewusst ist. Da müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht durch Unwissen in Widersprüche verfangen und die wissenschaftlichen Disparitäten irgnorieren. Vielleicht wäre daher wirklich die Suche nach einem/einer Vertrauensdozent_in hilfreich.
Was den Zeitplan angeht würde ich vorschlagen, die Shoa-Sitzung am Dienstag nachzuholen. Ein bißchen Input können W. und ich da bestimmt liefern ;) Vielleicht nehmen wir uns dann vor, den Zeitplan in der Phase nach den Klausuren ‚nachzuholen‘, insofern euch das in den Kram passt. Da ja jetzt auch noch die Fusion kommt haben wir wohl eh keine andere Wahl.
Das wären so meine Anliegen … Alles weitere dann am Dienstag, 16:00 in der Krähe, wenn ihr dabei seid.

PS_ Falls sich jemand langweilt, hier nochmal Adorno: Theodor W. Adorno \\\"Erziehung nach Auschwitz\\\" (1966)

Herbert Marcuse, die Frankfurter Schule und der Holocaust

http://www.marcuse.org/herbert/booksabout/00s/04TBMuellerMagister.htm
… es könnte wohl nichts passenderes geben. Ich werde mal versuchen, das auszudrucken. bis später!
ps: freu mich auf rahel jaeggi!

Video „Adorno über die verwaltete Welt“

Zur Einleitung vielleicht …

Autonomes Seminar

Danke für den Zeitplan! War heute Treffen? Wenn nein, wann stattdessen?

Ich habe eine Nachricht vom AS bekommen, hört sich sehr in Ordnung an wie ich finde:

----- Original Message -----
From: „wolfgang ratzel“
To:
Sent: Tuesday, June 09, 2009 12:07 PM
Subject: Autonomes Seminar – Kritische Theorie

Hallo Andreas,

soeben erfuhr ich, dass wir im Wintersemester
09/10 einen Raum bekommen werden: entweder Raum
155 oder Raum 293 im Seminargebäude in der
Invalidenstraße 110 (beim U-Bf Zinnowitzer
Straße; die Räume waren ursprünglich für
Physikunterricht ausgelegt; man sitzt unter
funktionslosen Rohren und zwischen Schaltkästen;
dadurch entsteht eine skurrile postmoderne
Atmosphäre).

Problem: Bislang übt eine posaunengestützte
Bigband im Nachbarraum zu 155, und zwar so laut,
dass man sein eigenes Wort nicht versteht – aber
erst ab 19:00 Uhr. Von 16:00 bis 19:00 könnte man
bigbandfrei nachdenken.

Nachfolgend die Kurzbeschreibung des
Selbstverständnisses des Autonomen Seminars:
„Das 1998 gegründete Autonome Seminar steht in
der 1967/68 begründeten Tradition der Kritischen
Universität; d.h.: Selbstorganisation – Einheit
von Denken und Handeln hinsichtlich der
Gestaltung des Politischen – Keine
Zugangsbeschränkungen – Keine Honorare – Keine
Studiengebühren – Keine Scheine und Credit
Points.“
(Die o.g. Einheit von Denken und Handeln ist eher
als Ziel zu begreifen: Wer also nur denken und
diskutieren will, ohne das Politische zu
gestalten, ist ebenso willkommen wie diejenigen,
die handlungsorientiert denken. Es gibt keine
Zugangsvoraussetzungen).

Wie schon gesagt – Euer Thema „Kritische Theorie“
ist eine der wesentlichen Wurzeln, aus der die
Kritische Universität kommt und deshalb höchst
erfreulich. Vor einem Jahr hatten wir das Thema
„68″ auf dem Plan und beschäftigten uns u.a. mit
Krahl/Dutschke/Marcuse (siehe Attachment).

Die AutS-Planung für das WS steht noch nicht; in Reihe 1 lesen wir vielleicht
Peter Sloterdijk: „Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik.“
Vielleicht aber auch Giorgio Agamben: „Das Reich
und die Herrlichkeit: Über die theologischen
Wurzeln von Wirtschaft und Herrschaft. Homo sacer
II.2.“
Der Schwerpunkt der Reihe 2 ist ebenfalls noch
unklar, hängt jedoch vom Thema der Lektüre ab.

Wir könnten uns jetzt treffen, um Einzelheiten zu besprechen.

Ciao
Wolfgang

Inhaltliche Diskussion

Liebe Leute!
ich schlage vor, dass wir langsam mal anfangen, unsere inhaltlichen Gedanken, Anregegungen und Funde auf den Blog posten. Es wäre dabei sicher nicht unschlau, neue Themen in Form von Beiträgen zu veröffentlichen und dann in den Kommentaren zu diskutieren. In der Kategoriespalte auf der rechten Seite findet ihr dann die jeweiligen „Foren“ für die einzelnen Themengebiete. Da Blogsport leider nicht die Option bietet, mehrere Blogs auf verschiedenen Seiten zu erstellen, ist das wohl das beste Verfahren. Das Gute daran ist, dass so alle von allem etwas mitbekommen …

By the way: Es gibt bei uns ein Autonomes Seminar, das ist aber nicht sehr präsent und erscheint auch nicht im VVZ. Ich rufe den Typen aber morgen nochmal an … Ich denke, wir sollten uns dieses Wochenende entscheiden, welche Organisationsform wir wollen, damit wir uns drauf einstellen können. LG!

Pure Vernunft darf niemals siegen

Die Veranstaltung soll einen Überblick über unterschiedliche theoretische und methodische Ansätze zur Kritik des Bestehenden liefern. Die behandelten Beispiele haben unterschiedliche Bereiche der wesetlichen modernen Gesellschaft und Politik zum Gegenstand und versuchen, mit den Mitteln der Kritik deren Funktionsweise und Unterdrückungszusammenhänge offenzulegen und somit aufzuzeigen, wie deren Veränderungen gedacht und verwirklicht werden können und wo sie möglich- und notwendigerweise ansetzen könnten.

Wie sich in unserem letzten Treffen herausstellte, soll ein zentraler Gegenstand der Auseinandersetzung die sogenannte „Diktatur der Notwendigkeit“ sein. Im Mittelpunkt steht dabei die Annahme, dass das postindustrielle kapitalistische Gesellschaftssystem seine hegemoniale Position durch differenzierte Mechanismen wiederholend behauptet, die den Eindruck der Alternativlosigkeit vermitteln und erzwingen. Dieses Phänomen ist von diversen Theoretikern mit einem jeweiligem Fokus untersucht worden. Wir möchten uns in der Veranstaltung beispielhaft auf fünf Ansätze zur Kritik der modernen Welt konzentrieren. Dabei haben sich bisher ergeben:

- die Auseinandersetzung mit der Shoah und die daraus folgenden Konsequenzen für eine Kritik der Moderne
- die Analyse der bürokratisierten und „verwalteten Welt“ und der ihr entspringenden Kultur
- die Funktionsweise der modernen Kultur im sexuellen Verhalten und dem Umgang mit Geschlecht (Psychoanalyse, Gender)
- die postindustrielle Klassengesellschaft und ihr Entfremdungs- und Verschleierungscharaker
- die Rolle der Moderne im Kolonialismus und danach und der Eurozentrismus

Die Behandlung dieser Themen soll assoziiert sein mit der Entwicklung einer „Theorie der Praxis“ und Vorstellungen von Möglichkeiten der Transformation.