Archiv für Oktober 2009

Prokla Diskussion am 10.11.2009


FU Berlin

***Geuss, Raymond: Die Idee einer kritischen Theorie, Königstein/Ts. (Hain), 1983.

a) Inwieweit ist dem Wunsch der Frankfurter Schule, eine Ideologie im positiven Sinne zu werden (vgl. Geuss S. 102), entsprochen worden?
b) Schema 3.2. als wesentliches zur Entkräftung des falschen Bewusstseins?

1.Charakteristika einer kritischen Theorie in Darstellung d. Frankfurter Schule
1.1.Anleitung zum menschlichen Handeln
a)Aufklärung → Instandsetzung von Personen, wahre Interessen festzustellen
b)emanzipative Kraft, die Personen von selbst auferlegten Zwang befreit
1.2.kognitiver Gehalt als Form von Erkenntnis
1.3.als Gegenpol zu naturwissenschaftlichen Theorien ‚reflektiv‘, nicht ‚objektivierend‘
2.wider Positivismus in Wissenschaft
_______________________________________________________________
1.Ideologie:
1.1.deskriptiver Sinn
1.2.abwertender Sinn
a)Ideologie als Täuschung oder ideologisch falsches Bewusstsein (WL S. 73, 95, 104; TP S. 435 ff.)
b)wie kann Bewusstseinsform ideologisch falsch sein? Aufgrund …
- epistemischer Eigenschaften der Überzeugungen, aus denen sie besteht (S. 23 f.)
- wenn Werturteile als Urteile über Tatsachen ausgegeben werden
- Objektivierungsfehler (z.B. soziales Phänomen für natürliches gehalten)
- Partikularinteressen werden als das der gesamten Gruppe ausgegeben
- ihrer funktionalen Eigenschaften (S. 24 f.)
- Ideologie als Bewusstseinsform, die überflüssige Herrschaft aufrechterhält und legitimiert
- Legitimierung gesellschaftlicher Institutionen; Aufrechterhaltung ungerechter sozialer Verhältnisse und Herrschaftsmethoden (S. 25)
- Herrschaft als Macht, normative Repression auszuüben (S. 26)
---> allerdings: ‚herrschaftsstabilisierendes Bewusstsein‘ nicht identisch mit ‚herrschaftslegitimierendem Bewusstsein
- ihrer genetischen Eigenschaften
- Herkunft, Geschichte

1.3.positiver Sinn
den Bedürfnissen einer Gruppe angemessenste Form der Ideologie (S. 33)
1.4. Ideologiekritik d. Frankfurter Schule
- Kritik der Gesellschaft vereint mit Ideologiekritik der in ihr herrschenden Ideen
- Ideologiekritik als Form von Erkenntnis über ein falsches Bewusstsein, eine Täuschung
- Überzeugungen werden aus Wunschtrieb heraus angenommen, weil sie bestimmte Interessen befriedigen

2.Interessen
2.1. wirkliche Interessen
1) vollständiges Wissen (Wissen führt zur Aufklärung der Falschheit derzeitigen Handelns)
2) optimale Bedingungen (Umstände, die falsche Wünsche generiert haben, müssen theoretisch geändert werden, um wahres Interesse zu erkennen)
---> Realisierung optimaler Freiheits- und Wissenserwerbsbedingungen → Erkenntnis wahrer Interessen

3.Kritische Theorie
3.1. kognitive Struktur
- Verwendung
--> nicht instrumentell, sondern kritisch-emanzipativ (S. 67)
--> Teil des Objektbereiches → immer selbstreflexiv
--> kritische Theorie als Antizipation ihrer eigenen Verwendung, um rational zu handeln
--> beansprucht, Personen sagen zu können, welche Interessen sie rationalerweise haben sollten und wie sie dementsprechend handeln könnten
--> Unfreiheit durch Akzeptanz gesellschaftlicher Institutionen, denen prozedurale Legitimität zugesprochen wird
Selbstaufbürdung der Zwangsverhältnisse
- Methode der Befreiung
--> kritische Theorie als Anstoß zur ‚Selbstreflexion‘
--> „legitimierende Überzeugungen sind nur dann akzeptabel, wenn sie von den Gesell­schaftsmitgliedern in einer freien und zwanglosen Diskussion, an der alle teilnehmen, erworben werden könnten“
--> kontextualistischer (Adorno) Ansatz der kritischen Theorie als Kritik am Zwang
--> transzendentaler (Habermas) Ansatz → transzendentale Deduktion kantianischen Schlags
--------> Bewusstsein, was unter Zwangsbedingungen erlangt wurde, muss kategorisch abgelehnt werden
ideale Sprechsituation (S. 78) → bei jeder Handlung wird ideale Sprechsituation antizipiert
- Ideologie
--> legitimiert ungleiche Verteilung normativer Macht (S. 87)
--> „Dass Unterdrückung ihre Legitimität verliert, ist vielleicht notwendige Vorbedingung für ein politisches Handeln, das zu wirklicher Befreiung führt.“ (S. 89)
3.2. Bestätigung
- Aufbau einer kritischen Theorie (S. 90 f.)
A) Zeigen, dass Übergang von Anfangszustand zu empfohlenen Endzustand möglich ist
B) Zeigen, dass obiges ‚praktisch notwendig‘ ist, also Unfreiheit, Täuschung → weniger Unfreiheit, Täuschung
C) Kritische Theorie muss Selbstbewusstsein der Gesellschaftsmitglieder begleiten
D) Analyse der Voraussetzungen der derzeitigen Gesellschaft für die Anwendung einer kritschen Theorie
- Aufstellung gültigen Bildes des guten Lebens aus kultureller Tradition (S. 98)
- Kritische Theorie muss Ideologie im positiven Sinne werden, für alle Mitglieder der Gesellschaft (S. 102)
- Aufgabe ist es, utopischen Gehalt kultureller Tradition zu retten

TW = Habermas, Jürgen: Technik und Wissenschaft als Ideologie
WL = Wellmer, Albrecht: Kritische Gesellschaftstheorie und Positivismus
TP = Habermas, Jürgen: Theorie und Praxis

Max Horkheimer: Von Marx zur Kritischen Thoerie

Endlich mal wieder ein Video! Wusste gar nicht, dass der hessische Dialekt so stark war :)
Das ist tiefstes Schwäbisch mein Lieber!

Ideologiekritik Einführungstext

Hier ein evtl. Einführungstext zum Thema
Rahel Jaeggi \"Was ist Ideologiekritik\"

24.10.2009, Berlin – Helle Panke, Kopenhagener Str. 9
10:00 – 18:00 Uhr

„Kulturindustrie“ — Aufklärung als Massenbetrug
oder: Was ist Kritik?

12.11.2009, Berlin – Alice-Salomon Hochschule Berlin. Alice-Salomon Platz 5
18.00 – 19.30 Uhr

Einführung in die kritische Theorie der Gesellschaft
Prof. Dr. Alex Demirovic / Moderatorin: Dr. Wiebke Willms

3.-5.12.2009, Frankfurt – Institut für Sozialforschung

Rückkehr der Gesellschaftstheorie. Kritische Sozialforschung im Widerstreit.

http://www.rueckkehr-der-gesellschaftstheorie.de/

12.-13.12.2009, Gedenkstätte Ravensbrück

»Adorno revisited: Was heißt ›Aufarbeitung der Vergangenheit‹«

Mit Prof. em. Dr. Klaus Ahlheim, Dr. Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Prof. Dr. Astrid Messerschmidt (PH Karlsruhe).

http://www.ravensbrueck.de/mgr/neu/dl/veranstaltungen/RKAdorno.pdf

KritikNetz

Nur ein Hinweis auf eine mglw. sehr hilfreiche Seite (steht jetzt auch in der Linkliste)
Dazu gleich davon: Exzerpt zu: Max Horkheimer – Traditionelle und Kritische Theorie

Lit-Liste

Habe hier erstmal eine Literaturliste zum Thema Antisemitismus gemopst:

Adorno, Theodor W.: Antisemitismus und faschistische Propaganda. In: Simmel, Ernst (Hg.): Antisemitismus. Frankfurt/M. 1993, S. 148-161

Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Adorno, Theodor W.: Gesammelte Schriften (GS), Bd. 10.2, Frankfurt/M. 1997, S. 555-572

Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max: Elemente des Antisemitismus. Grenzen der Aufklärung. In: Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. GS, Bd. 3, Frankfurt/M. 1997, S. 192-235

Bruhn, Joachim: Unmensch und Übermensch. Über Rassismus und Antisemitismus. In: Bruhn, Joachim: Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. Freiburg 1994, S. 77-110

Claussen, Detlev: Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus. Frankfurt/M. 1994

Grigat, Stephan: Fetischismus als Wahn: Antisemitismus und Rassismus. In: Grigat, Stephan: Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus. Freiburg 2007, S. 273-351

Grigat, Stephan: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Zionismus. In: Grigat, Stephan (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006, S. 115-130

Horkheimer, Max: Antisemitismus: Der soziologische Hintergrund des psychoanalytischen Forschungsansatzes. In: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 5, Frankfurt/M. 1987, S. 364-372

Horkheimer, Max: Die Juden und Europa. In: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt/M. 1988

Markl, Florian: Beschädigtes Leben und Judenhass. Kritik des Antisemitismus als Gesellschaftskritik. In: Grigat, Stephan (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006, S. 131-154

Markovits, Andrei: Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa. In: Rabinovici, Doron/Speck, Ulrich/Sznaider, Natan (Hg.): Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte. Frankfurt/M. 2004, S. 211-233

Poliakov, Leon: Vom Antizionismus zum Antisemitismus. Freiburg 1992

Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Postone, Moishe: Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen. Freiburg 2005, S. 165-194

Rensmann, Lars: Kritische Theorie über den Antisemitismus. Studien zu Struktur, Erklärungspotential und Aktualität. Berlin 1998

Scheit, Gerhard: Der Antisemitismus: Politik und Vernichtung/Exkurs: Über zionistischen Staat und messianische Hoffnung. In: Scheit, Gerhard: Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt. Freiburg 2004, S. 237-339

[Ergänzung: Konitzer: Asyl, Pogrom und Antisemitismus]

Buchempfehlung

Hab heute den Tipp bekommen doch mal

Weyand, Jan, 2001: Adornos Kritische Theorie des Subjekts zu lesen

Da wird wohl ganz gut deutlich wir die kritische Theorie Adornos an Marx, Hegel und Freud anknüpft. Was als Grundlage ja nichts schlecht ist. Ich werd aufjedenfall mal reinschauen, wollte den Tipp nur weiter geben.

Zum Klassen ausflug ja!

Die beslossene Planung finde ich auch gut. Bloß würde ich gerne bei den Themen den Aktualitätsbezug nicht nur in der Diskussion sondern auch mit Textgrundlagen, falls vorhanden betreiben. Sei es eine direkte Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie und damaligen gesellschaftsannahmen oder einfach nur ein „neuerer“ Ansatz. Aber da kann ich mich ja gerne drum kümmen.

3.-5. Dezember: Wollen wir zum Klassenausflug?

Kongress zu kritischer Gesellschaftstheorie mit Honneth, Beck, Reemtsma u.a. in Frankfurt a.M.

„Wie ist Gesellschaft heute zu begreifen? Pathologien der kapitalistischen Entwicklung erzeugen neue Risiken; Phänomene der Entgrenzung unterlaufen die gesellschaftliche Differenzierung; Pluralisierung wird überlagert durch Spaltung und Ausschluss. Der skeptische Gestus einer Soziologie, die den Rekurs auf die Kategorie der Gesellschaft verweigert, läuft gerade angesichts der globalen Wirtschaftskrise ins Leere. Empörungsverstärkung und Verdachtsbestätigung reichen nicht aus, erforderlich sind vielmehr Analysen, die Auskunft geben über gewandelte Mechanismen und Medien sozialer Integration, über neue Formen sozialer Strukturierung, erwartbare Polarisierungseffekte und veränderte Herrschaftskonstellationen.

Eine Theorie der Gesellschaft, die ihren Namen verdient, lässt sich weder durch einen von außen herangetragenen Maßstab gewinnen, noch kann sie auf begriffliche Abstraktionen verzichten. Nur durch die Konzentration aufs Einzelne und das experimentelle Austesten konkurrierender Interpretationen kann die Reflexion aufs Ganze gelingen.

Dies ist der Ausgangspunkt der Konferenz des Frankfurter und des Hamburger Instituts für Sozialforschung sowie des Münchner Sonderforschungsbereichs Reflexive Modernisierung. Durchaus im Widerstreit fragt sie nach zeitdiagnostischen Leitbegriffen, methodischen Ansätzen und normativen Perspektiven einer kritischen Sozialforschung, die an dem Anspruch festhält, ihre Zeit in Begriffe zu fassen.“

http://www.rueckkehr-der-gesellschaftstheorie.de

Demirovic – Kritische Theorie: Einführung

15. Oktober 2009 Inklusion/Exklusion und die Soziologie der Ungleichheit Prof. Dr. Rudolf Stichweh / Moderatorin: Prof. Dr. Elke Kruse

29. Oktober 2009 Die Bedeutung der Konzepte Foucaults für die Soziale Arbeit Prof. Dr. Petra Gehring / Moderator: Marco Frank

12. November 2009 Einführung in die kritische Theorie der Gesellschaft Prof. Dr. Alex Demirovic / Moderatorin: Dr. Wiebke Willms

28. Januar 2010 Anerkennung und Fremdheit Prof. Dr. Susanne Dungs / Moderatorin: Prof. Dr. Birgit Rommelspacher

Wo? AudiMax der Alice-Salomon Hochschule Berlin Alice-Salomon Platz 5 – 12627 Berlin Direkt an der U5 – Station Hellersdorf Wann? Jeden zweiten Donnerstag Von 18 bis 19.30 Uhr